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Ein Notfallplan, der nie geprobt wurde, besteht aus Annahmen. Wie Sie mit der Geschäftsleitung eine erste dreistündige Übung zu einem Erpressungsszenario vorbereiten, durchführen und auswerten.
Tobias Mogk
Managing Director, Cyber Resilience
Ein Notfallplan, der nie geprobt wurde, besteht aus Annahmen: dass die Telefonnummern stimmen, dass die Vertretung ihre Befugnisse kennt, dass jemand an die Meldefristen denkt. Eine Übung prüft diese Annahmen, solange ein Fehler noch nichts kostet. Dieser Beitrag beschreibt, wie Sie eine erste Übung für die Geschäftsleitung aufsetzen: mit einem Erpressungsszenario, in etwa drei Stunden und ohne dass ein IT-System angefasst wird. Voraussetzung ist ein schriftlicher Notfallplan der Geschäftsführung, und sei er noch so knapp.
Der BSI-Standard 200-4 unterscheidet fünf Übungsarten. In einer Planbesprechung wird ein Plan anhand einer Ausgangslage am Tisch durchgesprochen; der Standard nennt dafür typischerweise zwei bis vier Stunden. In einer Stabsübung arbeitet der Krisenstab ein Szenario ab, in das während der Übung neue Informationen eingespielt werden. Die Stabsrahmenübung bezieht zusätzlich weitere Teams ein, etwa die IT oder einen Fachbereich. Die Alarmierungsübung prüft, ob die Alarmierung funktioniert, und der Funktionstest, ob eine technische Maßnahme tatsächlich greift.
Was im Englischen „Tabletop" heißt, liegt zwischen Planbesprechung und Stabsübung. Für die erste Übung einer Geschäftsleitung empfehlen wir eine kleine Stabsübung mit wenigen Einlagen, vorbereitet durch eine kurze Alarmierungsübung. Wer zum ersten Mal übt, braucht kein ausgefeiltes Drehbuch. Er braucht ein Szenario, das zu Entscheidungen zwingt.
Bevor Sie den Stab an einen Tisch setzen, prüfen Sie, ob Sie ihn überhaupt zusammenbekommen. Lösen Sie die Alarmierung so aus, wie es im Plan steht, und messen Sie, wie lange es dauert, bis alle Rollen und Vertretungen geantwortet haben. Der BSI-Standard nennt als Beispiel für ein solches Übungsziel 30 Minuten, bis alle erforderlichen Rolleninhaber den Alarm bestätigt haben. Er empfiehlt außerdem, Alarmierungen gelegentlich zu ungünstigen Zeiten zu testen, etwa nach Feierabend oder am Wochenende, und Betriebsrat und IT vorher zu informieren.
Schon dieser Test bringt meist die ersten Erkenntnisse: veraltete Nummern, eine Vertretung, die nicht weiß, dass sie eine ist, eine Kontaktliste, die nur auf dem Fileserver liegt.
Für drei Stunden reichen eine Ausgangslage und drei Einlagen. Einlagen sind Informationen, die die Übungsleitung während der Übung einspielt. Ein Beispiel:
Jede Einlage zielt auf eine Entscheidung, die im Plan geregelt sein sollte. Der BSI-Standard rät, ein Szenario so zu bauen, dass jede Funktion im Stab mindestens eine Aufgabe bekommt, ohne eine einzelne Person zum Flaschenhals zu machen. In diesem Beispiel hat die Kommunikation mit Einlage 2 zu tun, Datenschutz und Recht mit Einlage 1, die IT und die Produktionsleitung mit Einlage 3.
Neben den Übenden, also den Mitgliedern des Krisenstabs, braucht es drei weitere Rollen. Die Übungsleitung steuert den Ablauf, spielt die Einlagen ein und darf vom Zeitplan abweichen oder die Übung abbrechen. Die Übungsprotokollierung hält fest, was passiert. Sie ist nicht dasselbe wie das Protokoll, das der Stab selbst führt. Optional beobachten eine oder zwei Personen neutral und greifen nicht ein.
Da die Geschäftsführung selbst übt, sollte jemand anderes die Übung leiten. Das kann eine Person aus dem Unternehmen mit Erfahrung im Notfallmanagement sein oder ein externer Moderator. Entscheidend ist, dass sie die Übung auch gegenüber der Geschäftsführung steuern darf, etwa wenn eine Diskussion zu lange dauert.
Gute Beobachtung bewertet keine Personen, sondern den Plan und die Zusammenarbeit. Hilfreich sind wenige, konkrete Fragen:
In ersten Übungen tauchen bestimmte Lücken immer wieder auf. Die Kontaktliste liegt auf einem System, das im Szenario verschlüsselt ist. Niemand weiß, wo die Police der Cyberversicherung liegt und wer dort anruft. Die Entscheidung, Standorte vom Netz zu trennen, wird vertagt, weil unklar ist, wer sie treffen darf. Und bei Einlage 2 hat der Vertrieb dem Kunden schon geantwortet, bevor der Stab sich auf eine Sprachregelung geeinigt hat. Keiner dieser Punkte ist schwer zu beheben, wenn er einmal sichtbar ist.
Das Ergebnis ist ein kurzer Übungsbericht mit Korrekturbedarfen, jeweils mit verantwortlicher Person und Termin. Der BSI-Standard stellt klar, dass eine fehlerfreie Übung kein Erfolgskriterium ist. Erfolgreich ist eine Übung, wenn sie Lerneffekte bringt und die erkannten Lücken anschließend geschlossen werden. Wie Sie Erkenntnisse sauber formulieren und priorisieren, beschreiben wir im Beitrag zur Tabletop-Übung für Incident Response und BCM.
Planen Sie die nächste Übung gleich mit. Der BSI-Standard nennt als Beispiel eine mindestens jährliche Stabsübung für alle Mitglieder des Krisenstabs und ihre Vertretungen. Wenn Sie die erste Übung lieber moderieren lassen möchten, finden Sie unser Format unter Crisis Management und Tabletop-Übungen.
Ihre nächsten Schritte
Berechnen Sie in 2 Minuten, was ein Cybervorfall Ihr Unternehmen tatsächlich kosten würde.
Schaden berechnenBuchen Sie 30 Min mit uns und besprechen Sie Ihre Situation 1:1.
Managing Director, Cyber Resilience
Tobias hat einen Master in Informatik und bringt über 11 Jahre Erfahrung in Informationssicherheit und IT-Infrastrukturmanagement mit. Er schlägt die Brücke zwischen Geschäftsprioritäten und robusten IT-Lösungen.
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