Wir verwenden Cookies und vergleichbare Technologien für notwendige Funktionen sowie - nur mit Ihrer Einwilligung - für Analyse und Marketing.
Sie können Ihre Einwilligung jederzeit über den Link „Cookie-Einstellungen" im Footer widerrufen.
Welches IAM-Tool passt, hängt weniger vom Hersteller ab als von HR-Daten, Zielsystemen, SAP und Betriebsmodell. Die Kriterien, die in der Auswahl wirklich trennen, und ein Vorgehen für den Praxistest.
Edouard Jacques
Managing Director, Cyber Culture
„Welches IAM-Tool ist das beste?“ gehört zu den ersten Fragen in fast jedem Gespräch über Identity & Access Management. Eine seriöse Antwort ohne Ihre Ausgangslage gibt es nicht, eine Rangliste schon gar nicht. Dieser Artikel ordnet die vier Produkte ein, die im Mittelstand am häufigsten auf der Liste stehen, nennt die Kriterien, die in der Auswahl tatsächlich trennen, und beschreibt, wie Sie die Kandidaten mit Ihren eigenen Daten prüfen. Die Produktangaben haben den Stand Oktober 2026.
Gemeint sind Werkzeuge für Identity Governance and Administration (IGA). Sie verwalten den Lebenszyklus von Identitäten vom Eintritt bis zum Austritt, steuern Anträge und Genehmigungen, führen regelmäßige Rechteprüfungen (Rezertifizierungen) durch und erkennen Konflikte bei der Funktionstrennung. Davon zu unterscheiden sind Access Management, also Anmeldung, Single Sign-on und Mehr-Faktor-Authentisierung, sowie Privileged Access Management für Administratorkonten.
Eine IGA-Plattform lohnt sich, wenn viele Anwendungen eigene Benutzerverwaltungen haben, Ein- und Austritte regelmäßig hängen bleiben, Prüfer Nachweise verlangen, die Sie nur mit Handarbeit liefern, oder SAP-Berechtigungen samt Funktionstrennung gesteuert werden müssen. Sie lohnt sich noch nicht, solange das Active Directory unaufgeräumt ist, die HR-Daten unzuverlässig sind und niemand fachlich für Rollen verantwortlich ist. Dann konfigurieren Sie in jedem Tool nur Formulare. Wie Sie das Verzeichnis vorher in Ordnung bringen, beschreibt Active Directory aufräumen.
Microsoft Entra ID Governance wird oft unterschätzt und ebenso oft überschätzt. Wer Microsoft 365 E5 nutzt, hat Entra ID P2 und damit bereits Privileged Identity Management, Zugriffsprüfungen und die Berechtigungsverwaltung mit Zugriffspaketen und mehrstufigen Genehmigungen. Lifecycle Workflows für Eintritt, Wechsel und Austritt, Prüfungen mit Empfehlungen auf Basis maschinellen Lernens, eigene Erweiterungen über Logic Apps und das Aufspüren verwaister Konten in Zielanwendungen setzen dagegen die separate Lizenz Entra ID Governance voraus. Sie baut auf P1 oder P2 auf und ist auch in der Entra Suite enthalten. Microsoft hat angekündigt, P2 keine neuen IGA-Funktionen mehr hinzuzufügen. Lizenziert wird für alle Mitglieder im Geltungsbereich einer Funktion, nicht nur für tatsächliche Nutzer; Gäste rechnet Microsoft nach monatlich aktiven Nutzern über ein Azure-Abonnement ab, so die Lizenzübersicht von Microsoft. HR-Systeme lassen sich als Quelle anbinden, lokale Anwendungen über einen Bereitstellungsagenten.
SailPoint bietet zwei Produktlinien: eine SaaS-Plattform für Identitätssicherheit auf Basis von SailPoint Atlas und IdentityIQ als kundenbetriebene Lösung, die der Hersteller für komplexe, hybride und stark regulierte Umgebungen positioniert. Nach eigenen Angaben stehen mehr als 200 Konnektoren bereit. Zusatzmodule decken unter anderem externe Identitäten und Zugriffsrisiken ab.
Saviynt vermarktet eine Cloud-Plattform, die Identity Governance, die Steuerung feingranularer Zugriffe innerhalb von Anwendungen (Application Access Governance, auch für SAP), Privileged Access Management, Identity Security Posture Management und die Verwaltung externer Identitäten zusammenführt.
One Identity Manager gibt es für den eigenen Betrieb und als SaaS unter dem Namen Identity Manager On Demand. Der Hersteller hebt eine zertifizierte SAP-Integration hervor. Regelmäßige Rechteprüfungen heißen dort Attestierung.
Daneben gibt es weitere Anbieter, darunter solche aus dem deutschsprachigen Raum mit Fokus auf mittelständische Umgebungen. Eine Vorauswahl nur aus den vier bekanntesten Namen ist nicht zwingend.
Funktionslisten sehen bei allen Anbietern ähnlich aus. Unterschiede zeigen sich an diesen Stellen:
Nach der Vorauswahl auf zwei, höchstens drei Kandidaten folgt keine Standard-Demo, sondern ein Drehbuch. Alle Anbieter bekommen dieselben Szenarien mit Ihren anonymisierten Daten:
Wer diese vier Abläufe vor Ihren Augen sauber durchspielt, hat die wichtigsten Fragen beantwortet. Für den Favoriten lohnt sich danach ein Machbarkeitstest von zwei bis vier Wochen mit Ihrem HR-Export und drei echten Zielsystemen. Bewerten Sie am Ende die Gesamtkosten über fünf Jahre: Lizenzen, Einführung, Betrieb und die interne Zeit für Rollenpflege und Prüfungen. Eine strukturierte Auswahl mit Anforderungen, Drehbuch-Demos und Machbarkeitstest dauert realistisch zwei bis drei Monate.
Referenzen rufen Sie am besten selbst an, idealerweise bei Unternehmen mit ähnlicher Größe und ähnlicher Systemlandschaft.
Einen Testsieger gibt es nicht, wohl aber Muster, die sich aus den Produkteigenschaften ergeben.
Arbeiten Sie überwiegend mit Microsoft 365, wenigen weiteren Anwendungen und ohne Funktionstrennung in SAP, ist Entra der naheliegende Start. Vieles ist mit P2 schon lizenziert, und die Governance-Lizenz kommt dazu, sobald Sie automatisierte Lebenszyklus-Abläufe brauchen. Was Entra in der Praxis leistet, beschreibt der Beitrag zu Entra ID Governance.
Ist SAP das Rückgrat und muss die Funktionstrennung innerhalb von SAP gesteuert werden, gehören Lösungen mit tiefer SAP-Integration auf die Liste. Prüfen Sie dann genau, wie sie mit den SAP-eigenen Werkzeugen für die Zugriffskontrolle zusammenspielen.
Haben Sie eine heterogene, überwiegend lokal betriebene Landschaft und eine klare Vorgabe zum Eigenbetrieb, schrumpft die Auswahl auf Produkte, die für den Betrieb im eigenen Rechenzentrum angeboten werden, etwa IdentityIQ oder One Identity Manager.
Auch Mischformen kommen vor: Entra für Microsoft-Dienste und Anmeldung, eine IGA-Suite für SAP und Fachanwendungen. Das funktioniert, verlangt aber eine klare Festlegung, welches System für welche Entscheidung führend ist.
Bevor Sie Anbieter einladen, brauchen Sie drei Dinge: ein bereinigtes Verzeichnis, eine Liste Ihrer Zielsysteme mit Zuständigen und eine erste Vorstellung Ihrer Rollen. Wie diese Grundlagen in eine Roadmap passen, zeigt IAM von Null aufbauen. Wenn Sie Anforderungen und Drehbuch gemeinsam mit uns aufsetzen möchten, vereinbaren Sie einen Termin. Und falls Entra für Sie in Frage kommt: Der Cloud-Security-Check unter diesem Artikel zeigt, wie es um die Grundkonfiguration Ihres Tenants steht.
Ihre nächsten Schritte
Welche Standardeinstellungen Ihres Tenants Angreifer einladen - und welche 5 Hebel sofort wirken.
Cloud-Check startenWie weit sind Sie wirklich von einer ISO 27001-Zertifizierung entfernt? Reifegrad-Check inkl. To-do-Liste.
Reifegrad prüfen30 Minuten Klarheit zu Haftung, Pflichten und nächsten Schritten - vertraulich, ohne Verkaufsdruck.
Managing Director, Cyber Culture
Edouard ist DevSecOps-spezialisierter Informatiker mit über 9 Jahren Erfahrung in IT- und Sicherheitsberatung. Er unterstützt Organisationen dabei, ihre Sicherheitslage durch eine proaktive, menschenzentrierte Cybersecurity-Kultur zu stärken.
Auf LinkedIn vernetzen